Glossar¶
Hier erklären wir die wichtigsten Begriffe der Lernreise — kurz, ohne Fachchinesisch und für jeden verständlich, der gerade erst einsteigt. Alphabetisch sortiert, zum Nachschlagen zwischendurch.
Agent¶
Ein Agent ist eine KI, die nicht nur antwortet, sondern selbst Schritte erledigt: Sie kann z. B. im Internet suchen, Dateien öffnen oder ein Programm bedienen — und verkettet dabei mehrere Aktionen, um ein Ziel zu erreichen. Statt „schreib mir eine Anleitung" heißt es dann eher: „buche mir den Termin". Praktisch, aber heikel — denn ein Agent, der eifrig losläuft, macht auch eifrig Fehler. Genau deshalb gilt: enge Aufgaben geben und ihm auf die Finger schauen.
API¶
„API" steht für Application Programming Interface, auf Deutsch Programmierschnittstelle — der Weg, eine KI direkt aus einem eigenen Programm heraus anzusprechen statt über das Chat-Fenster. Für den Einstieg brauchst du das nicht; interessant wird es erst, wenn du KI in eigene Anwendungen einbaust. Wissenswert ist vor allem der Unterschied beim Bezahlen: Im Abo zahlst du einen festen Monatsbeitrag, über die API dagegen pro verarbeitetem Token — wer viel nutzt, fährt mit dem Abo meist deutlich günstiger.
Auto-Modus¶
Der Auto-Modus ist die Einstellung in Claude Code, in der die KI durcharbeitet, statt dich vor jedem Schritt um Erlaubnis zu bitten — gedacht für lange, kleinteilige Läufe. „Alles erlaubt" heißt das nicht: Eine zweite, unabhängige Prüfinstanz sieht sich jede Aktion vorher an und blockiert, was über deinen Auftrag hinausgeht; besonders heikle Löschbefehle landen weiterhin als Nachfrage bei dir. Eine Sicherheitsgarantie ist er trotzdem nicht — das schreibt der Hersteller selbst. Er ist einer von vier Berechtigungsmodi: Manual fragt bei allem außer Lesen, Accept edits lässt Dateiänderungen durchlaufen, Plan erlaubt schauen und planen, aber nichts ändern. Mehr dazu in Stufe 4 · Rechte & Auto-Modus — diese Stufe erscheint demnächst.
Berechtigung (Permission)¶
Eine Berechtigung legt fest, was ein KI-Werkzeug tun darf, ohne dich zu fragen. In
Claude Code läuft reines Lesen im Arbeitsordner immer durch; Dateien ändern und Befehle
ausführen brauchen dein Okay — gefragt wird vor allem dort, wo es kein Zurück gibt.
Welche Regeln bei dir gerade gelten, zeigt dir der Befehl /permissions. Das
Wichtigste daran: Berechtigungen setzt das Programm durch, nicht das Sprachmodell. Ein
„bitte lösch nie etwas ohne Rückfrage" im Gespräch oder in der CLAUDE.md
ist deshalb eine Bitte — eine Sperre ist nur eine Berechtigungsregel. Wie man sich ein
eigenes Konzept dafür erarbeitet, steht in Stufe 4 · Rechte & Auto-Modus — diese Stufe
erscheint demnächst.
Blackbox¶
Eine Blackbox ist ein System, bei dem man zwar das Ergebnis sieht, aber nicht nachvollziehen kann, wie es zustande kommt — man wirft etwas hinein, etwas kommt heraus, und der Weg dazwischen bleibt verborgen. Bei KI wird das schnell zum Thema: Je mehr Arbeit du der KI eigenständig überlässt, desto mehr wird das Ergebnis zur Blackbox. Läuft dann etwas schief, kommst du nur schwer an die Ursache heran — weil du gar nicht siehst, was unterwegs passiert ist.
Checkpoint¶
Ein Checkpoint ist eine Momentaufnahme deiner Dateien, die Claude Code vor jeder
Änderung automatisch anlegt. Mit /rewind — oder zweimal Esc bei leerer
Eingabezeile — spulst du auf einen früheren Stand zurück, wahlweise nur die Dateien,
nur das Gespräch oder beides. Praktisch, wenn ein Arbeitspaket danebengeht:
zurückspulen und neu beauftragen, statt an einem misslungenen Ergebnis herumzuflicken.
Die Grenzen gehören dazu: Was über die Kommandozeile
geändert wurde, ist nicht erfasst — und was nach außen gewirkt hat, etwas Verschicktes
oder Veröffentlichtes, holt kein Tastendruck zurück. Die Doku nennt es treffend ein
„lokales Rückgängigmachen"; die dauerhafte Historie ist Git.
CLAUDE.md¶
Die CLAUDE.md ist eine schlichte Markdown-Datei in deinem
Arbeitsordner, die Claude Code zu Beginn jeder Sitzung von selbst mitliest. Was
darin steht, gilt ab dann immer, ohne dass du es je wieder tippst: worum es in diesem
Projekt geht und wie hier zusammengearbeitet werden soll. Es gibt sie auf zwei Ebenen —
einmal für dich in allen Projekten, einmal für ein einzelnes Vorhaben —, und die beiden
ersetzen einander nicht, sondern addieren sich. Sie ist das Gegenstück zum
System-Prompt im Chat-Werkzeug, nur wirksamer, weil sie auch ein
Zusammenfassen des Kontextfensters übersteht. Ein Schalter ist sie
nicht: Claude behandelt sie laut Doku als Kontext, nicht als erzwungene Einstellung.
Alles dazu in Stufe 4 · Die CLAUDE.md: deine Steuerzentrale — diese Stufe erscheint
demnächst.
Git¶
Git ist das verbreitetste Werkzeug zur Versionsverwaltung: Es hält fest, wer wann was an den Dateien eines Projekts geändert hat, und lässt jeden früheren Stand wieder herstellen. Ursprünglich für Software gebaut, funktioniert es mit jeder Art von Textdatei. Können musst du es für den Einstieg nicht — wissen solltest du zweierlei: Git macht Arbeit rückholbar, weshalb seine Standardbefehle in einem Rechte-Konzept meist als harmlos gelten, und es ist die dauerhafte Historie, die ein Checkpoint ausdrücklich nicht ersetzt.
Halluzination¶
Eine Halluzination ist eine Antwort, die überzeugend klingt, aber schlicht falsch ist — erfundene Fakten, falsche Zahlen, ein Detail, das nur plausibel wirkt. Weil eine KI das nächste Wort errät und kein echtes Wissen nachschlägt, merkt sie selbst nicht, wenn sie danebenliegt: Sie formuliert den Fehler genauso souverän wie die Wahrheit. Deshalb gilt — Wichtiges immer gegenchecken.
Iterieren¶
Iterieren heißt: in Runden besser werden. Der erste Versuch sitzt selten. Du schaust dir das Ergebnis an, sagst der KI, was noch fehlt, und lässt sie nachbessern — und das ruhig mehrmals. Genau hier entsteht die Qualität. Aus dem Englischen ein gern zitiertes Motto: „Always be iterating."
Kommandozeile (Terminal)¶
Die Kommandozeile — auch Terminal genannt — ist das nüchterne Textfenster, in dem man einem Rechner Befehle eintippt, statt zu klicken. Sie ist der ältere und mächtigere Weg, einen Computer zu bedienen, und genau deshalb heikel: Ein einziger getippter Befehl kann Dateien löschen oder etwas veröffentlichen. Für den Einstieg brauchst du sie nicht — es gibt Claude Code auch als Desktop-App mit ganz normaler Oberfläche (siehe Stufe 3). Kennen solltest du den Begriff trotzdem: Wenn die KI im Hintergrund „einen Befehl ausführen" will, ist genau das gemeint — und das ist die Kategorie, bei der sich eine Nachfrage meistens lohnt.
Kontextfenster¶
Das Kontextfenster ist das „Gedächtnis" der KI für ein laufendes Gespräch — also wie viel Text (deine Eingaben plus ihre Antworten) sie gleichzeitig im Blick behalten kann. Gemessen wird das in Token. Es ist begrenzt — aber wenn es voll wird, fällt nicht einfach Älteres hinten heraus: Erst werden alte Werkzeug-Ausgaben verworfen, dann wird das Gespräch zusammengefasst. Die Arbeit bleibt dabei meist erhalten, verloren gehen ausgerechnet die detaillierten Anweisungen von früh — die KI wirkt danach wie „eine andere". Wichtige Punkte nennst du deshalb zwischendurch noch einmal, und was dauerhaft gelten soll, schreibst du besser auf, statt es einmal zu sagen. Wie man das steuert, steht in Stufe 4 · Kontext & Kontext-Management — diese Stufe erscheint demnächst.
LLM¶
„LLM" steht für Large Language Model, auf Deutsch großes Sprachmodell — die Technik hinter Werkzeugen wie ChatGPT, Claude oder Gemini. Vereinfacht: Das Programm hat enorm viel Text gelesen und daraus gelernt, welches Wort wahrscheinlich als Nächstes kommt. Wort für Wort entstehen so flüssige Antworten. Wichtig: Ein LLM ist keine Datenbank, die Fakten nachschlägt, und kein denkendes Wesen — es errät, und das erstaunlich gut.
Anschaulich erklärt (Video, Englisch): 3Blue1Brown – „Large Language Models explained briefly".
Lokales Modell¶
Ein lokales Modell ist eine KI, die direkt auf deinem eigenen Rechner läuft, statt auf dem Server eines Anbieters im Internet. Der große Vorteil: Was du eingibst, verlässt dein Haus nicht — gut für vertrauliche Daten und Datenschutz. Der Preis dafür: Du brauchst passende Hardware, und kleinere lokale Modelle sind oft schwächer als die großen Online-Dienste. Ein bekanntes Einstiegswerkzeug dafür ist LM Studio.
Markdown (.md)¶
Markdown ist ein besonders einfaches Textformat: eine ganz normale Klartext-Datei (Endung
.md) mit ein paar simplen Zeichen für Struktur — # für Überschriften, - für
Aufzählungen, **Text** für Fettdruck. KI-Werkzeuge wie ChatGPT und Claude geben ihre
Antworten standardmäßig darin aus, weil es zugleich roh lesbar und formatiert darstellbar
ist. Mehr dazu — samt Beispiel und dem Weg zum fertigen PDF — auf der Seite
Markdown.
Orchestrierung¶
Orchestrierung ist das Zusammenstecken und Steuern mehrerer KI-Spezialisten zu einem Ablauf — wie in einem Orchester gibt jemand den Takt vor, und jeder spielt seinen Part zur richtigen Zeit. In der Praxis heißt das: festlegen, welcher Subagent was in welcher Reihenfolge tut und wie die Ergebnisse ineinandergreifen. Diese Website zum Beispiel ist von einer solchen Kette gebaut worden, zusammengehalten von einer steuernden Instanz, dem „Orchestrator". Das Ergebnis eines orchestrierten Ablaufs nennt man einen Workflow.
Persona-Drift¶
Persona-Drift heißt: Die KI vergisst im Lauf eines langen Gesprächs allmählich, wer sie sein und was sie tun sollte. Am Anfang hält sie sich an deine Vorgabe, nach vielen Nachrichten antwortet sie wieder wie „irgendeine" KI — und mit der Rolle rutscht oft auch die Qualität. Deshalb bringt ein frischer Chat mit klarer Ansage meist mehr als die zehnte Nachfrage im alten.
Prompt¶
Ein Prompt ist deine Eingabe an die KI — die Anweisung, aus der sie ihre Antwort baut. Wie bei jedem Werkzeug gilt: Es ist nur so gut wie die Hand, die es führt. „Schreib mir was über Hunde" liefert Beliebiges; wer Rolle, Aufgabe und Form mitgibt, bekommt Brauchbares.
Prompt Engineering¶
Prompt Engineering ist die kleine Kunst, Eingaben so zu formulieren, dass die KI gute Ergebnisse liefert — also gute Prompts schreiben und sie Runde für Runde verbessern. Klingt technisch, ist aber vor allem klares Denken: genau sagen, was du willst, in welcher Rolle und in welcher Form. Ein bekanntes Merkgerüst dafür ist Googles TCREI (Task, Context, References, Evaluate, Iterate).
Skill¶
Ein Skill ist eine Fähigkeit, die du der KI einmal beibringst und die sie danach immer
parat hat — und bei Bedarf ganz von selbst hervorholt. Technisch ist er nichts
Geheimnisvolles: eine ganz normale Markdown-Datei, ein „Rezept" aus
reinem Text, das die KI liest und dann ausführt. Du verschickst also kein fertiges
Programm, sondern eine Anleitung: Ein Skill aus reinem Text funktioniert damit auf
jedem Rechner — bringt er dagegen ein Hilfsprogramm oder Skript mit, läuft er nur dort,
wo dieses auch vorhanden ist. Der erste Skill der Gruppe war ein youtube-transcript,
der ein Video-Transkript holt und zusammenfasst — und genau so ein Fall: Er stützt sich
auf ein kleines Hilfsprogramm und wandert deshalb nicht einfach mit. Statt denselben
Ablauf jedes Mal neu zu erklären, hinterlegst du ihn ein einziges Mal.
Slash-Command¶
Ein Slash-Command ist ein Befehl, den du mit einem Schrägstrich direkt ins Eingabefeld
tippst. Es gibt zwei Sorten. Eingebaut sind die Handgriffe des Werkzeugs selbst:
/context zeigt, wie voll dein Kontextfenster ist, /compact räumt
es zusammen, /clear fängt neu an, /model wechselt das Modell, /permissions zeigt
deine Berechtigungen, /rewind spult auf einen
Checkpoint zurück, /init und /memory kümmern sich um die
CLAUDE.md. Selbstgebaut sind deine eigenen — etwa ein
/youtube-transcript oder ein /deep-research, das zu einem Thema eine ganze
Ausarbeitung erstellt. Diese zweite Sorte ist eng mit dem Skill verwandt; in
neueren Versionen sind beide sogar zusammengewachsen, sodass man einen Skill schlicht
als Befehl starten kann. Eine Übersicht der eingebauten Befehle steht in der
offiziellen Doku.
Subagent¶
Ein Subagent ist ein Spezialist mit eigener Rolle und eigenem, frischem Gedächtnis, den die Haupt-KI mit einer Teilaufgabe beauftragt. Technisch ist er eine separate KI-Instanz mit eigenem Kontextfenster und eigener Rollen-Anweisung (einem System-Prompt), oft mit nur bestimmten erlaubten Werkzeugen. Zwei Dinge macht das besser: Das Hauptgespräch bleibt sauber (die laute Kleinarbeit erledigt der Spezialist in seinem eigenen Raum), und weil er die Vorgeschichte gar nicht kennt, urteilt er unbefangen — ideal als ehrlicher Prüfer. Aus einem einzelnen Agenten wird so ein kleines Team.
Sycophancy¶
Sycophancy (auf Deutsch etwa „Schmeichelei" oder „Gefälligkeit", im Fachjargon auch Agreeableness) beschreibt die Neigung von KI-Modellen, dir zuzustimmen und dir nach dem Mund zu reden — auch dann, wenn du falsch liegst. Das fühlt sich gut an und ist genau deshalb tückisch: Lob von der KI ist kein Beweis, dass du recht hast. Eine kleine Probe: Behaupte selbstbewusst das Gegenteil von etwas, das du sicher weißt — knickt sie ein?
System-Prompt¶
Der System-Prompt ist eine Art Grundanweisung, die einer KI vorab mitgegeben wird und über dem normalen Gespräch steht — er legt fest, wer sie sein soll und wie sie sich verhalten soll (z. B. „Du bist ein freundlicher Kundenservice-Assistent und antwortest kurz"). Den System-Prompt des Anbieters siehst du als Nutzer meist nicht. Eine eigene Dauer-Anweisung kannst du aber in vielen Chat-Oberflächen hinterlegen — je nach Werkzeug heißt das „eigene Anweisungen", „Persönliches" oder steckt in den Einstellungen eines Projekts. Wer selbst KI-Werkzeuge baut, schreibt hier die wichtigsten Regeln hinein — und merkt schnell, wie viel von einem guten System-Prompt abhängt.
Token¶
Ein Token ist ein kleines Textbaustein-Häppchen, in das die KI Sprache zerlegt — mal
ein ganzes kurzes Wort, mal nur eine Silbe oder ein Satzzeichen. Eine KI rechnet und
„denkt" in solchen Tokens, statt in Buchstaben oder Wörtern. Warum dich das interessiert:
Token sind die Maßeinheit für Textmenge — in ihnen wird gemessen, wie viel von deinem
Kontextfenster schon belegt ist. Mehr Text heißt mehr Token heißt
weniger freier Platz. In Claude Code siehst du diesen Füllstand mit dem Befehl
/context.
Vibe-Coding¶
Vibe-Coding heißt: Du lässt die KI programmieren und steuerst sie dabei in normaler Sprache, statt selbst Code zu schreiben. Du beschreibst, was entstehen soll, schaust dir das Ergebnis an und sagst, wie es weitergeht — die Zeilen tippt die KI. Ein verbreitetes Missverständnis ist, das Wort mit „planlos drauflos" gleichzusetzen. Das Gegenteil stimmt: Wie gut Vibe-Coding funktioniert, hängt daran, wie klar du führst — am besten mit einem Plan, den du vorher gemeinsam mit der KI entwickelt und freigegeben hast (siehe Drauflos oder mit Plan). Und genau dieses Handwerk trägt weit über das Programmieren hinaus: Es gilt für jede Arbeit, die du einer KI überträgst. Kompakte Übersicht mit Best Practices (englisch): roadmap.sh/vibe-coding.
Workflow¶
Ein Workflow ist ein fester Ablauf, in dem mehrere KI-Spezialisten so hintereinander geschaltet sind, dass jeder ein Stück der Arbeit erledigt und an den nächsten weiterreicht — einer recherchiert, einer schreibt, einer prüft. Aus „ich frage einen Spezialisten" wird so „ich stoße einen ganzen Ablauf an, der sich selbst abarbeitet". Der rote Faden dahinter: Prompt → Agent → Subagent → Workflow. Wie so eine Kette zusammengesteckt und gesteuert wird, steht unter Orchestrierung.